Der von Frau Bina Ch. Seelen verfasste Artikel zum 25 jährigen Bestehen der Initiative beschreibt umfassend die Geschichte und die Tätigkeit der Aktion Teddybär:

Aktion Teddybär – das StadtSpiegel-Projekt hat auch schon „Silberjubiläum“
25 Jahre zugunsten chronisch kranker Kinder im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin

Von Bina Ch. Seelen

Kinder haben doch gar kein Rheuma! Und Stoffwechselkrankheiten? Chronische Krankheiten sind nicht nur erworben, sie können angeboren sein? Spezifische chronische Krankheiten nur bei Kindern?

Im Laufe der vergangenen 25 Jahre haben die Stadt Anzeiger- bzw. StadtSpiegel-Leser, also die Krefelder, davon erfahren, ohne selbst betroffen zu sein -­ über die Aktion Teddybär, die das Blatt im April1998 ins Leben gerufen hat.

Begonnen hat alles mit einem Fragezeichen. Bernd Schmitz, der damalige Anzeigenleiter fragte mich eines Tages, ob ich wisse, was Mukoviszidose sei. Ich wusste es, weil ich kurz zuvor einen TV-Beitrag über einen kleinen Jungen gesehen hatte, der an dieser Leben bedrohenden Krankheit litt. Wer hatte je zuvor davon gehört, so er denn nicht betroffen war? Betroffen gemacht hatte Schmitz die Diagnose eines kleinen Jungen in seinem Freundeskreis. Er wollte mehr darüber wissen. Wir vereinbarten einen Termin bei Prof. Dr. Hermann Schulte-Wissermann, dem Leiter der Krefelder Kinderklinik, heute Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum, und fragten: „Was machen Sie hier eigentlich?“

Er berichtete von den „vergessenen Kindern“, wie er sie nannte, den chronisch kranken mit langwierigen, aufreibenden Therapien, ohne Aussicht auf Heilung, mit denen die kleinen Patienten und ihre Familien lernen müssen zu leben, von erbarmungslosen Stoffwechselkrankheiten, Diabetes im Kindergartenalter, angeborenen Herzfehlern, Epileptikern, Nahrungsmittelunverträglichkeiten… und natürlich Krebs bei Kindern. All das gab es mitten in Krefeld, aber wer wusste davon, wenn er nicht betroffen war? Er berichtete auch von den Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, für diese kleinen Patienten tätig zu sein, eben weil ihre Erkrankung und Situation nur ihrem unmittelbaren Umfeld vertraut sind.

Das wollten wir ändern und entwickelten ein Konzept, mit dem wir im April an die Krefelder Öffentlichkeit gingen: Aktion Teddybär. Das Projekt hat drei Säulen:

an Hand einzelner Stationen, Fachbereiche, Ärzte, Pflegepersonal und evtl. kranker Kinder chronische Krankheiten mit ihren Auswirkungen und Einschränkungen vorstellen
publizieren, woher die Spendengelder aus der Leserschaft auf das Sonderkonto bei der Sparkasse kommen
wofür die Gelder verwendet werden
Es gelang, ein Gremium zu bilden, bestehend aus einem Vertreter der Sparkasse (die führt das Konto und verwaltet die Gelder), der AOK (die unterstützte zu Beginn der Aktion Teddybär die Kinderklinik mit Vorträgen und Sprechstunden einer Diätassistentin zu Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten) sowie aus der Kinderklinik und des StadtSpiegel.

Grenzenloser Einfallsreichtum

Das erste Geld aus der Leserschaft war ein Scheck in Höhe von 2.000 Mark. Das Geld hatten Mitglieder der Hinterhöfler und Pappköpp bei einer gemeinsamen Radtour „erwirtschaftet“. Die anrührendste Spende in Höhe von 98 Pfennig überbrachten fünf Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Sie hatten an einem Wochenende ihre Wohnstraße mit einer Kordel gesperrt und von jedem Anlieger zwei Pfennige Wegezoll erbeten. Sie brachten die Händchen voll Kupfermünzen persönlich in die Redaktion am Ostwall. Straßen- und Nachbarschaftsfeste wurden organisiert, Schulklassen verkauften selbst gebackenen Kuchen, Firmen spendeten ihre Weihnachtsgratifikation, Pensionärsfeiern den Erlös ihrer Tombola, in Thekenaufstellern wurde das Wechselgeld gesammelt, Familie Pesch organisierte das jährliche Teddy-Race auf ihrer Kartbahn, Jubiläen, Hochzeiten, Todesfälle, Bußgeldbescheide bei Gericht, Tennismatches und andere Sportveranstaltungen, Versteigerungen, Adventsbasare und, und, und füllten Aktion Teddybär das Konto und der Stadt Anzeiger, heute StadtSpiegel berichtete.

Ein außerordentliches Highlight war die Benefizveranstaltung im Seidenweberhaus. Unter der Moderation von Klaus Otten stellte sich alles, was in Krefeld auf dem Sektor der Unterhaltung große und kleine Kunst produzierte für Aktion Teddybär auf die Bühne.

Finanziert und angeschoben

Solange die Kinderklinik unter kommunaler Trägerschaft stand, fehlte Geld an allen Ecken und Enden und ganz besonders da, wo es weder offizielle Töpfe und Etats noch eine Lobby gibt, aber höchst motivierte und engagierte Mitarbeiter mit Wunschzetteln voller kreativer Vorschläge.

Plastikbällchen für die Krankengymnastik, Erstausstattung für Frühchen, eine moderne Maschine zum Lungenfunktionstest, überhaupt medizinisches Gerät auf dem neuesten Stand, Literatur zur Weiterbildung, Ausflüge zu „Starlight Express“ und Zirkus „Roncalli“, Infusomate, die den kranken Kindern Mobilität erlauben, Besucherkindergarten, Spiel- und Bastelmaterial für die Spielabteilung, Klinikclown, Zwischenfinanzierung von Gehältern, Aufbau des Stillcafés, Zusatzausbildungen für Kinderkrankenschwestern, Material in der Schule für Kranke, Märchenaufführungen in der Kinderklinik, finanzielle Unterstützung bei Mutter-Kind-Kur oder für die Betreuung der Geschwisterkinder zu Hause, Fahrtkostenzuschüsse für bedürftige Familien, Sommer- und Frühchenfeste, Sonnenschirme für die Balkonzimmer, Zimmerausstattungen, Elternbetten, Teeküchen in den Stationen, Wochenendausflüge mit medizinischer Betreuung… Die Spendengelder wurden so verwendet, dass sie den kleinen Patienten, deren Familien und auch den Mitarbeitern der Kinderklinik helfen, das Leben während der Therapie angenehmer zu gestalten. Und immer war der StadtSpiegel für seine Leser dabei, dokumentierte und erläuterte, wie und wohin die Spendengelder flossen und fließen.

Und heute?

Seit das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, heute unter der Leitung von Prof. Dr. Tim Niehues, ein Fachbereich des Helios-Klinikums ist, werden keine Spendengelder mehr für medizinische oder technische Mittel und Ausstattung gebraucht geschweige verwendet, aber für die Annehmlichkeiten und Extras, die ablenken vom Klinikalltag, seinen Anforderungen und Unwegsamkeiten, da sind Spendengelder allemal willkommen.

Und weil sich der medizinische Fortschritt unaufhaltsam entwickelt, gibt es ständig Neues über die chronischen Krankheiten bei Kindern zu berichten. Die Lebenserwartung zum Beispiel bei den Muko-Kindern ist von knapp 20 Jahre vor gut 20 Jahren deutlich ins Erwachsenenalter gestiegen. Ambulanzen haben stationäre Aufenthalte weitgehend ersetzt. Das hat auch zur Folge, dass die Patienten als junge Erwachsene weiterhin das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin aufsuchen. Die Fachärzte für Kindermedizin mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten sind mit den altersspezifischen Problemen und Fragen ihrer Patienten mitgewachsen. Angeborene chronische Kinderkrankheiten kommen in der Ausbildung der Erwachsenenmedizin nicht vor. Früher haben viele das Erwachsenenalter nicht erreicht. Das ist heute anders und wirft damit neue Fragen und Ansätze auf. Es gibt noch viel zu berichten aus dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin!